Leitbild


Langversion unseres Leitbildes

 

 

 

Situation

 

 Rechtsextremisten versuchen an vielen Stellen unseres gesellschaftlichenZusammenlebens Anhänger für ihre menschenfeindliche und antidemokratischeDenk- und Handlungsweise zu gewinnen. Sie wollen durch unterschiedlichste Aktivitäten Aufmerksamkeit erzielen und Einfluss nehmen.Auch in Rheinland-Pfalz sind Kommunen, Schulen, Vereine, Verbände und Initiativen, aber auch einzelne Menschen in unserem Gemeinwesen immer wieder von rechtsextremistischen, antisemitischen oder fremdenfeindlichen Provokationen, Straftaten und Gewalt betroffen. Deshalb haben wir das „Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz“ gegründet, um diesen menschenfeindlichen und antidemokratischen Umtrieben rechtsextremer Akteure entgegen zu treten.   

 

 

 

Identität und Auftrag

 

Wir sind ein bereichs- und sektorenübergreifender Zusammenschluss von unterschiedlichen rheinland-pfälzischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, die im Themenfeld Rechtsextremismus und Demokratieförderung tätig sind. Unsere Mitgliedsorganisationen bringen jeweils ihre spezifischen Expertisen und Potentiale ein, um betroffene Gruppen und Einzelpersonen in ihrer Gegenwehr gegen rechtsextreme Umtriebe zu unterstützen.Unsere Unterstützung erfolgt vor allem durch eine qualifizierte Beratung, die vor Ort sowohl Betroffene als auch Menschen, die sich gegen rechtsextreme Haltungen und Aktivitäten und somit für Demokratie und Menschenrechte engagieren wollen, im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt. So werden diese in die Lage versetzt, Ideen und Handlungsstrategien zu entwickeln. Unsere Beraterinnen und Berater verfolgen deshalb einen sozialraum- und klientenorientierten Ansatz.Die Beratungsleistungen erfolgen anlassbezogen und sind primär dem Bereich der Intervention zuzuordnen. Immer wieder gibt es auch Übergänge zur Prävention. Wir erzielen durch Erkenntnis- und Kompetenzgewinn sowie durch einen Know-how-Transfer eine win-win Situation. Es entstehen Mehrwerte für unsere eigenen Organisationen und für uns als sie vertretende Personen, z. B. durch Optimierung dortiger Aktivitäten.Unsere Arbeit im Beratungsnetzwerk ist gekennzeichnet durch ein Geben und Nehmen. Erfahrungsaustausch, Kompetenzgewinn und Know-how-Transfer sind Mehrwerte der Zusammenarbeit, die uns motivieren, uns in die Bekämpfung des Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz kontinuierlich einzubringen.  

 

 

 

Werte

 

Basis unseres Handelns ist die Verteidigung der bzw. das Werben für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Insbesondere der Artikel 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist dabei unsere Denk- und Handlungsleitlinie.Unser Beratungsnetzwerk ist somit fest auf dem Boden der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ verankert.Teilhabe (Partizipation) und Einbeziehung (Inklusion) aller Menschen an allen gesellschaftlichen Möglichkeiten in unserem Land, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht etc., sehen wir als wesentlichen Bestandteil der Demokratie, die folglich geprägt sein sollte von umfassender Vielfalt und Toleranz.In absolutem Kontrast dazu stehen die  Überzeugungen und Handlungsmuster rechtsextremer Akteure und ihre Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen. Hier beziehen wir uns vor allem auf das Theorem der so genannten „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ (GMF).Unsere Mitarbeit im Beratungsnetzwerk ist geprägt von einer freiwilligen Selbstverpflichtung und einem gleichberechtigten und wertschätzenden Miteinander.   

 

 

 

Allgemeine Ziele

 

Unser Ziel ist es, einen effektiven Beitrag zu einer zivilgesellschaftlichen Kultur gegen den Rechtsextremismus, vor allem gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu leisten. Dazu gehört die Förderung einer Kultur des Hinsehens und der gelebten Zivilcourage, sowie einer Kultur der Toleranz, der Vielfalt und eines partizipativen Demokratieverständnisses und Demokratieerlebens. Wir wollen deshalb ein qualifiziertes, situativ flexibles und sozialraumorientiertes Beratungsangebot zur wirksamen Unterstützung von durch rechtsextreme Aktivitäten betroffene Einzelnen und Institutionen bereitstellen und auch Einzelpersonen und Gruppen unterstützen, die sich gegen rechtsextremistische Erscheinungsformen in der Gesellschaft und für eine demokratische Kultur der Vielfalt engagieren. Erreichen wollen wir dabei auch eine nachhaltige Stärkung des Engagements von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Kräften gegen rechtsextreme Haltungen und Aktivitäten. Hierdurch soll die Rechtsextremismusbekämpfung als ein (fach-) politisches Dauerthema in der Gesellschaft etabliert werden.Uns eint der Wille, durch gemeinsames Handeln bzw. die Bündelung des Engagements Synergieeffekte zum Wohle der Menschen zu erzielen, die das Zusammenleben in der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und in einer offenen Gesellschaft sichern sollen.   

 

 

 

Adressaten und Zielgruppe

 

Originäre Zielgruppe unseres Unterstützungsangebotes sind von einem Vorfall mit rechtsextremistischem und menschenfeindlichem Hintergrund Betroffene. Dies können z. B.

- Kommunen,

- Schulen,

- Vereine,

- Verbände und Initiativen,

- Eltern von sich rechtsextremistisch orientierenden Kindern und Jugendlichen

sein, aber auch einzelne Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Um der besonderen Situation von Opfern rechtsextremistisch motivierter Straftaten bzw. Übergriffen gerecht werden zu können, haben wir ein spezielles Beratungsangebot geschaffen („Opferberatung Rechtsextremismus Rheinland-Pfalz“).Für die Lösung von örtlichen Vorfällen mit rechtsextremistischem und menschenfeindlichem Hintergrund sprechen wir in der Region aktive Personen und Gruppen an. Diese sind z. B. tätig in den Bereichen

- Kommunal- und Landespolitik sowie -verwaltung,

- öffentliche Sicherheit (Polizei),

- Jugend- und Sozialarbeit,

- Schule, Bildung,

- Stadtteilarbeit,

- Migration und Integration,

- Kultur,

- Wissenschaft,

- Wirtschaft und Medien,

- Sport,

- Kirchen und Religionsgemeinschaften,

- Vereine und Verbände,

- Projekte und Facharbeitskreise,

- Initiativen und Netzwerke.   

 

 

 

Fähigkeiten

 

Unser Beratungsnetzwerk zeichnet sich aus durch seine multiprofessionelle und interdisziplinäre Zusammensetzung. Wir als Mitglieder bringen uns sowohl mit unserer eigenen persönlichen Qualifikation als auch mit unserer institutionellen Kompetenz ein. Wir haben zudem eine Multiplikatorfunktion.Unser Beratungsnetzwerk ist eine selbstreflexive, lernende Organisation. Es ist offen für weitere Mitglieder und neue Denk- bzw. Handlungsansätze. Unsere Beratungs- und Moderationskompetenzen zum Nutzen der Beratungsnehmerinnen und Beratungsnehmer konstituieren sich unter anderem aus unserer stetigen Bereitschaft zur (Weiter-) Qualifizierung sowie der andauernden Herstellung der eigenen regionalen und überregionalen Feldkompetenz.   

 

 

 

Leistungen

 

Unsere Unterstützungsleistungen werden von qualifizierten und vernetzten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern mit umfänglicher Berufserfahrung sowie einem spezifischen Wissen im Themenfeld durchgeführt. Sie beinhalten die Entwicklung von sozialraumorientierten Lösungskonzepten und orientieren sich stark an den Bedürfnissen der Zielgruppe. Wir streben an, die in aller Regel vor Ort vorhandenen wertvollen Kompetenzen zu aktivieren (Empowerment-Beratung).Unsere Hilfestellungen erfolgen maßgeschneidert fallbezogen, ggf. aufsuchend, sowie zeitnah, kostenlos, unbürokratisch und bei Bedarf anonym. Einzelberatung und Gruppenberatungen sind möglich.  

 

 

 

Ressourcen

 

Die entscheidenden Ressourcen unseres Beratungsnetzwerks stellen unsere engagierenden Mitglieder der unterschiedlichen staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen zur Verfügung. Hier sind vor allem unsere so genannten Beratungsknoten als Regionalstellen vor Ort zu nennen, die in der Regel federführend in der Fall- bzw. Beratungsarbeit gemeinsam mit anderen Beratungsnetzwerkmitgliedern als „Mobile Interventionsteams“ tätig sind. Regelmäßig stattfindenden Beratungsnetzwerktreffen, kollegiale Beratungstreffen der in der konkreten Beratungsarbeit Aktiven sowie verschiedene interne und externe Weiterbildungsmaßnahmen sichern die Fachlichkeit und Qualität unserer Unterstützungsleistungen.Die Finanzierung unserer Aktivitäten durch Bundes- und Landesmittel stellen eine weitere unabdingbare Ressource dar.  

 

 

 

Gelungene Beratung

 

Die Beratung durch unsere Beraterinnen und Berater gilt vor allem dann als gelungen, wenn sie von den Beratungsnehmerinnen und Beratungsnehmern als gut und wertvoll empfunden wird. Durch eine reflektierende Beratungskommunikation soll sich ihre Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit als Individuen und als Organisation verbessert bzw. erweitert haben. Wir verstehen Beratung als einen an den Aktivitäten der Ratsuchenden orientierten Prozess, der nicht von außen instruiert werden kann. Unsere Beraterinnen und Berater wollen durch ihre Unterstützung den Beratungsprozess im Sinne einer förderlichen Kontextbedingung positiv beeinflussen. Dazu gehört zum Beispiel ein offener, wertschätzender und moderierender Beratungsansatz, der sich ohne eine Überwältigung der Beratungsnehmerinnen und Beratungsnehmer an deren Bedarfslagen orientiert. Das Rollenverständnis unserer Beraterinnen und Berater ist geprägt von ausgewogener und professioneller Distanz zu allen am Beratungsprozess Beteiligten. Wir legen großen Wert darauf, dass alle Akteure, die zum Gelingen der Beratung beitragen können, gleichberechtigt am Beratungsprozess beteiligt sind. Wir klären mit den Beratungsnehmerinnen und Beratungsnehmern detailliert das Beratungsziel, planen konkrete ressourcenorientierte Handlungsschritte und überprüfen gemeinsam die Beratungsergebnisse. Insgesamt orientiert sich unsere Beratung fachlich am systemischen  Beratungsmodell.

 

 

 

Selbstverpflichtung / Prinzipien der Netzwerkarbeit

 

Die Zusammenarbeit in unserem Netzwerk ist geprägt vom Respekt vor den Grenzen der Zusammenarbeit durch Anerkennung der Verschiedenheit der Mitglieder, die sich durch die Unterschiedlichkeit unserer Institutionen und unserer Rollen ergibt. Ein wertschätzendes, empathisches Miteinander, Transparenz, Akzeptanz, Offenheit und Diskretion sind deshalb unsere gemeinsam anerkannten und gelebten Netzwerkprinzipien.  

 

 

 

Sicherung der Nachhaltigkeit

 

Durch die Förderung der Selbstreflexion/-evaluation, durch punktuellen Wissenstransfer, usw. sichern wir eine nachhaltige Beratung. Dies fördert die Kompetenz der Beratungsnehmerinnen und Beratungsnehmer in der Art, dass sie auch nach dem Ende des Beratungsprozesses mögliche Problemkonstellationen wahrnehmen, verfügbare Akteure vor Ort identifizieren, sowie wirksame Maßnahmen planen und durchführen können. Ihre Handlungsbereitschaft und -fähigkeit bleibt dauerhaft gestärkt. Ihre positiven Erfahrungen mit der Beratung durch das Beratungsnetzwerk ermutigen sie, sich, falls notwendig, wieder an selbiges zu wenden. 

 

 

 

 

 

 

Das Leitbild wurde vom gesamten Beratungsnetzwerk am 08. Februar 2012 verabschiedet und für verbindlich erklärt. Eine Weiterentwicklung in "Gelungene Beratung" wurde am 21. November 2012 verabschiedet und für verbindlich erklärt.